Multitasking stößt an Grenzen – auch mit viel Übung

Multitasking begegnet uns überall im Alltag. Aber hast du dich schon einmal gefragt, warum es trotz Übung so anstrengend bleibt, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen? So ganz nebenbei zwei Dinge erledigen – das klingt praktisch, oder? Doch unser Gehirn macht uns da einen Strich durch die Rechnung.

Warum das Gehirn Multitasking nicht wirklich beherrscht

Du kennst das vielleicht: Beim Telefonieren gleichzeitig eine Nachricht schreiben oder beim Kochen dem Radio lauschen und die letzte Einkaufsliste im Kopf durchgehen. Klingt doch nach einem normalen Alltag, oder? Trotzdem zeigt eine aktuelle Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Fernuniversität in Hagen und der Medical School Hamburg, dass unser Gehirn trotz viel Übung und Training Aufgaben nicht wirklich parallel abarbeitet.

In der Untersuchung mussten Teilnehmende zwei Aufgaben gleichzeitig erledigen: Sie sollten mit der Hand die Größe eines kurz eingeblendeten Kreises anzeigen und zugleich die Tonhöhe eines abgespielten Signals benennen. Messbar war, wie schnell sie agierten und wie viele Fehler dabei passiert sind. Obwohl mit der Zeit die Reaktionszeiten besser wurden und Fehler abnahmen, erledigt das Gehirn die Aufgaben weiter nacheinander, nicht parallel.

Die Grenzen der Hirnleistung – besser als man denkt, aber nicht grenzenlos

Es ist faszinierend, wie flexibel unser Gehirn ist, wenn es darum geht, Prozesse hintereinander zu organisieren. Dieses Geschick nennt man „Virtually Perfect Time Sharing“. Dabei optimiert das Gehirn die Reihenfolge der einzelnen Schritte, damit sie sich weniger gegenseitig stören. Trotzdem stößt diese Optimierung an ihre Grenzen: Schon kleinste Veränderungen in den Aufgaben führen zu längeren Lösungen und mehr Fehlern.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Du sitzt im Auto, führst ein Gespräch und versuchst, nebenbei auf Verkehrszeichen zu achten. Schon allein das Wechseln erfordert Konzentration und kann schnell zur Gefahr werden. Deshalb raten viele Experten, Multitasking in kritischen Situationen wie dem Autofahren zu vermeiden.

Wie du sinnvoll mit Multitasking umgehen kannst

Ganz aufgeben musst du das Multitasking nicht – es gibt Momente, in denen es gut funktioniert. Beispielsweise beim gemütlichen Kaffee trinken und Zeitung lesen oder während einer Joggingrunde mit Musik im Ohr. Hier sind zwei Tätigkeiten, die sich gut kombinieren lassen, weil sie wenig aktive Reaktionsanforderung haben.

Wenn es aber darauf ankommt, zwei aktive Dinge gleichzeitig zu bewältigen, hilft eine bewusste Priorisierung und das stückweise Abarbeiten der Aufgaben:

  • Fokussiere dich stets auf eine Aufgabe und schließe sie möglichst ab, bevor du zur nächsten wechselst.
  • Schaffe dir bewusste Pausen oder kleine Entspannungsübungen, um das Gehirn zu entlasten.
  • Vermeide Ablenkungen, wenn du wichtige Dinge erledigst, um Fehler zu reduzieren.
  • Nutze Routinen und automatisierte Abläufe, um kognitive Ressourcen zu sparen.

Ein kleiner Alltags-Trick für mehr Gelassenheit

Mir ist aufgefallen, dass viele Menschen durch den ständigen Anspruch, alles auf einmal schaffen zu wollen, oft gestresst reagieren. Dabei hilft es, kleine bewusste Schritte zu gehen und die Erwartungen an die eigene Leistungsfähigkeit realistischer zu gestalten. Sag dir ruhig mal: „Das darf jetzt auch mal nacheinander passieren.“ So fällt der Druck von den Schultern und die Konzentration wird besser.

Schreibe einen Kommentar